Der Teufel in der " Glänzelmühle "1
Nach alten mündlichen Überlieferungen, für die jedoch Original-Zeugnisse fehlen, war die "Glänzelmühle" als Klostermühle des Nonnenklosters Remse bereits viele Jahre vor der Zeit des Prinzenraubes erbaut worden. Im 16.Jahrhundert wird sie urkundlich als "Oberwinkler Mühle" erwähnt und gehört zum Besitztum des Rittergutes Callenberg. Bis 1724 ging die Mahl- und Schneidemühle zu Lehen. Am 24.Juni 1724 kaufte der Mahlmüller von Chursdorf (Langenchursdorf), Meister Gregor Parthum sie mit den dazugehörigen Wald- und Wiesengrundstücken vom Herrn auf Callenberg, dem Grafen Christian Heinrich von Schönburg-Waldenburg, für 850 Meißner Groschen. Meister Parthum erhielt auch den 'freien Wein-, Bier- und Branntweinschank mit Branntwein brennen...' zugesprochen, mußte allerdings das Bier auf dem Callenberger Rittergut oder in Waldenburg holen. Parthum starb bald, und seine Witwe heiratete den Mahlmüller Johann 'Glentzel', der ihr 1748 die Mühle abkaufte. Bis 1934 blieb sie in Besitz der Familie Glänzel, nach der sie noch heute "Glänzelmühle" heißt. Wegen ihrer günstigen Lage am Eingang des Grünefelder Parkes war sie um die Jahrhundertwende bereits ein beliebtes Ziel für "Sommerfrischler" aus der Großstadt und ein gern besuchter Ausflugsort für Waldenburg und Umgebung.
Der historische Hintergrund für die Sage, die nun erzählt werden soll, ist vielleicht im Jahre 1616 zu suchen, von dem alte Chroniken vermelden: '1616 war ein dürrer Sommer. Die Ernte war nicht schlecht, aber es fehlte vielfach am Mühlwasser...': Das Wasserrad der "Glänzelmühle" wurde durch den Oberwinkeler Bach getrieben, der seine Quelle nahe dem Callenberger Pfarrteiche hat. Da er oft nur wenig Wasser führte, war ein Mühlenteich als Reservoir angelegt worden. Einmal jedoch regnete es den ganzen Sommer nicht. Erst kam kein Wasser mehr den Bach herunter, dann trocknete sogar der Mühlenteich aus. Die Fische wurden zur leichten Beute für Katzen und Füchse. Der Müller wußte sich keinen Rat. So oft er auch zum Himmel aufblickte, nie zeigten sich Regenwolken. Die Bauern brachten wie immer im Spätsommer und Herbst das Getreide. Doch das Mühlenrad stand still und der Müller konnte nichts tun als die Mäuse von den Säcken verjagen. Die Bauern murrten, viele holten auch ihr Korn wieder ab und fuhren es in entferntere Mühlen, brauchten sie doch dringend Futter für des Vieh und Mehl zum Brotbacken. Da der Müller nicht mahlen konnte, galt auch der "Mühlenzwang" nicht mehr. Sogar in die Schenke kehrte nur noch selten ein Gast ein. Oft saß der Müller abends allein bei einem Glas Branntwein und haderte mit dem Glück. An einem solchen Abend klopfte noch spät ein Fremder an die Tür und bat um Nachtquartier. Der Müller war froh über die Gesellschaft, ließ ihn ein, bat ihn zu Tisch und goß ihm gleich einen Willkommenstrunk ein. Als sich aber in der Stube Schwefelgeruch ausbreitete, betrachtete er den späten Gast genauer und merkte, daß der nur der Teufel sein konnte. " Fürchte dich nicht ", sprach dieser, " ich will dir nichts Böses tun. Laß uns zusammen noch ein Glas trinken, dann will ich wieder meiner Wege ziehen." Die Furcht des Müllers wurde mit jedem Gläschen geringer. Nicht lange, da war die Flasche mit Selbstgebranntem leer und der Müller vertraute dem Teufel seine Nöte und Sorgen an. Der tröstete ihn. Er wisse wohl Rat: Alle Not könne sogleich ein Ende haben, wenn der Müller nur ein Papier unterschriebe. " Was willst du mit deiner Seele." sprach er schmeichlerisch, " sie nützt dir doch nichts. Verkaufst du sie mir, so wirst du dein Leben lang so viel Mühlwasser haben, daß du das Getreide der ganzen Umgebung mahlen kannst. Es wird dir auch nie an Geld und Gut mangeln. " Und der Müller, leichtfertig geworden durch den Branntwein, zerschlug das Glas, ritzte sich mit der Scherbe den Finger, griff nach der Feder und unterschrieb den Pakt. Der Teufel führte ihn vor die Mühle, wies mit der Hand in Richtung Callenberg und zur Langenberger Höhe. Augenblicke später zuckten Blitze am Himmel auf, Donner grollt und dicke Regentropfen fielen herab. Dann ging aus dem schwarzen Himmel ein Wetter nieder, wie es der Müller seit Monaten herbeigesehnt hatte. Der Bach führte Hochwasser und der Vorratsteich füllte sich rasch. Am Morgen war der Teufel verschwunden, und der Müller erinnerte sich mit zwiespältigen Gefühlen an die vergangene Nacht und an das Schriftstück. Vielleicht hatte er sich das nur eingebildet ? Als seine Frau ihn nach dem Späten Gast fragte, wich er der Antwort aus. Doch sie spürte wohl, das etwas nicht stimmte, und betete für des Seelenheil ihres Mannes. Die Jahre vergingen, manche Not herrschte im Lande, doch um den Müller und dessen Familie schien sie einen Bogen zu machen. Der Müller konnte mehrere Müllerburschen einstellen, das Mühlenrad klapperte ohne Unterbrechung. Er schien ein glücklicher Mann, hatte viel Geld und konnte sich vor Arbeit kaum retten. Es ließ sich gut leben in der Mühle, doch je älter der Müller wurde, um so stärker peinigte ihn die Angst vor der Rückkehr des Teufels. Als eines späten Abends in der Kirmeszeit noch jemand an die Tür pochte, glaubte er, sein Stündlein habe geschlagen. Doch es war ein Bärenführer mit seinem Bären, der für ein paar Nächte um Unterkunft bat. Am Tage wollte er das Tier beim Volksfest auf dem Waldenburger Anger tanzen lassen, doch für die kalten Nächte brauchten sie dringend ein Dach über dem Kopf. Der Bärenführer wies hinauf zur Langenberger Höhe. " Ein rechtes Unwetter braut sich zusammen ! Habt Erbarmen mit der Kreatur !" Der Müller begann wie Espenlaub zu zittern. Der Himmel ähnelte so stark jenem vor vielen Jahren, daß er ahnte, in dieser Nacht liefe der Pakt aus. Da wollte er wenigstens noch ein gutes Werk tun, wies dem Bärenführer für sein Tier einen Platz im Schafstall zu und lud den Mann zu Essen und Trinken in die Stube ein. Der Bärenführer war ein erfahrener Mann, er hatte wohl bemerkt, daß etwas den alten Wirt quälte und fragte nach der Ursache. Da erzählte ihm der Müller alles, doch der Bärenführer lachte: " Der Böse soll nur kommen. Ich weiß wohl ein Mittel." Bald pochte es tatsächlich noch einmal an die Tür. Der Müller öffnete. Draußen stand wirklich der Teufel, wies das Pergament vor: " Es ist soweit. Heute Nacht hole ich deine Seele. Dieses Wetter wird dich umbringen, und du wirst mit mir zur Hölle fahren." " Auf ein Stündchen kommt es dir doch nicht an.", bat der Müller, wie ihn der Bärenführer geheißen hatte. " Ich möchte mich nur von den Meinen verabschieden. Du hast doch einen weiten Weg hinter dir, ruh dich solange drüben im Stall bei meiner schwarzen Katze aus. Dort findest du ein weiches Lager." Der Teufel ließ sich wirklich überreden, ging hinüber in den Stall. Doch kaum hatte er die Tür geöffnet, da nahm ihn der Bär zwischen die Tatzen und zauste ihn ordentlich, daß er bald kläglich um Hilfe bettelte. Aber der Müller wollte ihn nur herauslassen, wenn er dafür das Pergament erhielte. Der Teufel winselte, doch als der Bär ihm weiter zusetzte, schob er es durch den Türspalt. Der Müller verbrannte es, dann erst ließ er den geschundenen Teufel frei, der ohne sich umzusehen Reisaus nahm. Der Müller sank in die Knie und dankte dem Himmel für seine Errettung. Der Bärenführer aber klopfte seinem Tier den Pelz. Er hatte gute Arbeit getan. Ein paar Jahre später soll der Teufel den Müller noch einmal besucht haben. Da pochte er spätabends an die Tür, und fragte:
" Müller, hast du deine große schwarze Katze noch ?"
Und der Müller, der die Stimme des Teufels erkannte, rief zurück:
" Ja, die hab ich noch. Und drei Junge hat sie bekommen. Von denen ist eins wilder als das andere."
Da fluchte der Teufel höllisch und verschwand für immer.
1 Quelle: Röhner, Regina: URALT, UNHEIMLICH, WUNDERSAM
Aus "Chroniken unserer Heimat"